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Bilder von auf Pinguinen festgemachten Minivideokameras zeigen, dass mindestens vier Pinguinarten im offenen Meer nach Quallen und anderen gelatinösen Tieren jagen. Dies bedeutet eine neue, bisher unbekannte Nahrungsquelle, wie Wissenschaftler in diesem Monat in der Fachzeitschrift Frontiers in Ecology and the Environment.

Pinguine sind perfekt an ein Leben im Wasser angepasst. Krill und Fische sind auf ihrem Speiseplan. Nun konnten Wissenschaftler auch Quallen und Rippenquallen dazuzählen. Bild: Michael Wenger
Pinguine sind perfekt an ein Leben im Wasser angepasst. Krill und Fische sind auf ihrem Speiseplan. Nun konnten Wissenschaftler auch Quallen und Rippenquallen dazuzählen. Bild: Michael Wenger

Viedoaufnahmen bestätigen, dass Pinguine Nesseltiere jagen; die Vögel schluckten sie nicht aus Versehen, als sie Jagd auf Fische und andere Nahrung gemacht hatten. Diese Verbindung im Nahrungsnetz wird den Ökologen helfen, die Nische der sogenannten „Gelata“, eine Tiergruppe, die sie aufgrund ihrer gelatinösen Physis und dem ozeanischen Lebensraum definiert haben, die aber aus verschiedenen Tierstämmen kommen. Die „Gelata“ haben bisher eine unterschätzte Rolle im Kohlenstoffzyklus gespielt, erklärt Jean-Baptiste Thiebot, ein Wissenschaftler am Nationalen Institut für Polarforschung in Tokyo, Japan. Obwohl die Tiere einen kleinen Kalorienwert aufweisen, können sogar grosse Tiere wir Mondfische und Meeresschildkröten von ihnen ernähren. Pinguine, warmblütige Tiere mit einem hohen Energiebedarf, können nun auch auf die Liste der „Quallenfresser“ gesetzt werden. Thiebot und seine Kollegen aus 5 Ländern statteten insgesamt 106 Pinguine an sieben Brutorten im gesamten Südlichen Ozean mit den daumengrossen Video-Loggern aus. Adélie-, Gelbaugen-, Magellan- und Zwergpinguine waren die Filmstars der ersten Liveaufnahmen. Über 350 Stunden an Videomaterial zeigten insgesamt 200 Angriffe auf Gelata. Die Geräte waren für einmaligen Gebrauch designt, um mögliche Störungen bei der Jagd zu minimieren.

Die Karte der Brutgebiete der untersuchten Pinguinarten, die Anzahl Individuen und die Anzahl der Interaktionen mit den Gelata. Karte: ESA
Die Karte der Brutgebiete der untersuchten Pinguinarten, die Anzahl Individuen und die Anzahl der Interaktionen mit den Gelata. Karte: ESA

Thiebot und seine Kollegen schätzen, dass die Nesseltiere bei den grösseren Pinguinen (Magellan, Adélie, Gelbaugen) mehr als ein Prozent des täglichen Energiebedarfs decken, bei den Zwergpinguinen sogar bis zu zwei Prozent. Die Pinguine scheinen sich auch vor allem auf die karnivoren Gelata zu konzentrieren, die u.a. echte Quallen (Nesseltiere) und Rippenquallen. Alle vier untersuchten Arten bevorzugen die echten Quallen, da von ihnen 187 Arten gejagt wurden. Doch die Magellan- und auch die Zwergpinguine nahmen auch 11 Rippenquallenarten zu sich. Vegetarische Gelata, besser bekannt als Salpen, die näher mit Menschen verwandt sind als mit Quallen, sind andere häufige Vertreter in den südlichen Ozeanen. Doch diese Phyoplankton-Filtrierer wurden von den Pinguinen nicht angerührt, obwohl Salpen lange Ketten bilden und klar sichtbar sind. In bestimmten Jahren explodiert die Salpenpopulation in den südlichen Meeren und absorbieren dadurch sehr viel pflanzliches Plankton, das wiederum eigentlich von Krill gefressen werden sollte. Dies wiederum ist die Hauptnahrung von Walen, Robben und eben auch Pinguinen. Auch die karnivoren Quallen schwanken weltweit und haben ihre bisher noch nicht bekannten Zyklen. Die Beweise, die von den Wissenschaftlern vorgelegt worden sind, zeigen, dass die Pinguine  zumindest die gelatinöse Biomasse nutzen können. Doch ob sie sich ausschliesslich davon ernähren könnten während solcher massiver Blüten, ist zurzeit noch nicht bekannt.

Die Qualle Diplulmaris antarctica  und ein Adéliepinguin (im Hintergrund) schwimmen in den antarktischen Gewässern vor der französischen Station Dumont d’Urville. Bild: Pierre Chevaldonné
Die Qualle Diplulmaris antarctica und ein Adéliepinguin (im Hintergrund) schwimmen in den antarktischen Gewässern vor der französischen Station Dumont d’Urville. Bild: Pierre Chevaldonné

Quelle: Ecological Society of America