DDT in Pinguinen belegt - schmelzende Gletscher setzen Chemikalien frei
Mittwoch, den 24. Dezember 2008 um 16:16 Uhr
Im Fettgewebe der Adeliepinguine ist, wie Forscher des Virginia Institute of Marine Science herausgefunden haben, das Insektizid DDT (Dichlordiphenyltrichlorethan) heute noch in den gleichen Mengen enthalten wie in den 60er Jahren. Damals war DDT in aller Welt in der Landwirtschaft, in Privathaushalten zum Beispiel zur Kopflausbekämpfung sowie zur Bekämpfung von Malaria verwendet worden. In den meisten Industrieländern ist die Verwendung des Insektizids in der Landwirtschaft aufgrund seiner negativen Auswirkungen auf die Gesundheit in den 70er Jahren nach und nach eingeschränkt worden. Vor vier Jahren wurde sie durch die Stockholmer Konvention grundsätzlich verboten. Zur Malariabekämpfung bestehen Ausnahmeregelungen für 31 Länder. Nach Darstellung der Wissenschaftler hat die unverändert stark gebliebene Belastung der antarktischen Pinguine ihre Ursache darin, dass die Eismassen zunehmend schmelzen und dadurch viele chemische Substanzen in die Nahrungskette Einlass finden. Experten von Geenpeace weisen darauf hin, dass das Pestizid «so ziemlich alle Folgen mitbringt, die eine Chemikalie haben kann». Bei Säugetiere wirkt DDT schwach giftig und greift vor allem das Nervensystem an. Bei Wildtieren kann es auch die Fortpflanzungsfähigkeit gefährden und Hormonschädigungen auslösen. Ebenso sind chronische Effekte auf Leber und Immunsystem bekannt.
Im Zusammenhang mit der Untersuchung der Pinguine entdeckten die Wissenschaftler DDT weder in der Luft, noch im Schnee, im Eis und Meerwasser, aber im Schmelzwasser der arktischen Gletscher. Sie vermuten, dass die Chemikalie über die Nahrungskette leicht in den Organismus der Tiere gelangen kann. Aufgrund des Klimawandels schmelzen die Gletscher heute schneller als früher. Die Forscher schätzen, dass jedes Jahr etwa ein bis vier Kilogramm DDT zurück in das Ökosystem fliessen.





