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Der industrielle Walfang hatte einen signifikanten Einfluss auf die Walpopulationen rund um die Antarktis. Beinahe alle Arten der Bartenwale wurden massiv dezimiert und am Ende der 1960er Jahre musste ein Walfangmoratorium ausgerufen werden, um den Populationen Zeit zum Erholen zu geben. Dieses Moratorium jedoch läutete das Ende des Walfangs und den Beginn des Walschutzes ein. Heutzutage erholen sich die Walpopulationen langsam wieder, aber nicht so schnell, wie erhofft, wie ein neues Computermodell von australischen Forschern jetzt zeigt.

Die antarktischen Gewässer beherbergten immer hunderttausende von Walen aufgrund einer scheinbar endlosen Menge an Nahrung. Besonders Buckelwale wurden und werden wieder häufiger entlang der Küste der antarktischen Halbinsel gesichtet. Bild: Michael Wenger
Die antarktischen Gewässer beherbergten immer hunderttausende von Walen aufgrund einer scheinbar endlosen Menge an Nahrung. Besonders Buckelwale wurden und werden wieder häufiger entlang der Küste der antarktischen Halbinsel gesichtet. Bild: Michael Wenger

Bis ins Jahr 2100 werden viele der Walarten der südlichen Halbkugel nicht einmal die Hälfte der ursprünglichen Populationsgrössen vor der Walfangära erreichen, während einige wenige sich sogar bis 2050 erholt haben werden. Zu diesem Schluss kommt eine Arbeit der CSIRO (Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation) und der Universität von Queensland, die sich die Interaktion zwischen historischem Walfang, Nahrungsverfügbarkeit und zukünftige Klimaveränderungen betrachtet hatte, um so Zahlen für die Walarten bis ins Jahr 2100 vorherzusagen. Die Doktorandin Viv Tulloch von der Universität Queensland erklärt, dass diese Daten zum ersten Mal miteinander verglichen wurden, um so die Zukunft der grossen Bartenwale auf der Südhalbkugel vorherzusagen. „Wir können vorhersagen, dass die antarktischen Blauwale, die südlichen Glattwale und die Finnwale weniger als die Hälfte ihrer ursprünglichen Populationsgrössen erreichen werden im Jahr 2100. Dies aufgrund ihrer langsamen Fortpflanzungsraten und dem massiven historischen Walfang“, erklärt sie. „Obwohl Buckelwale zurzeit bei rund 33 Prozent ihrer ursprünglichen Zahl liegen, sagen wir voraus, dass sich ihre Zahlen bis ins Jahr 2050 vollkommen erholt haben werden.“

Blauwale sind die grössten Tiere der Welt. Aufgrund ihrer Grösse, waren sie extensiver Jagd ausgesetzt und ihre Zaheln haben sich seither nicht wieder richtig erholt. Sogar mit vollem Schutz werden die Zahlen nicht über 1/3 der Ursprungszahl kommen. Bild: Michael Wenger
Blauwale sind die grössten Tiere der Welt. Aufgrund ihrer Grösse, waren sie extensiver Jagd ausgesetzt und ihre Zaheln haben sich seither nicht wieder richtig erholt. Sogar mit vollem Schutz werden die Zahlen nicht über 1/3 der Ursprungszahl kommen. Bild: Michael Wenger

Südliche Glattwale, die einst auf rund 300 Tiere geschätzt worden waren, haben nur alle zwei bis drei Jahre ein Kalb; im Gegensatz dazu stehen die Buckelwale, die generell ein Kalb jedes Jahr aufziehen. CSIRO Wissenschaftsleiter und Ko-Autorin Dr. Eva Plaganyi sagt, dass die Forschung durch ein komplexes Ökosystemmodell namens „MICE“ erst zustande gekommen war. „Unser MICE-Modell benutzt Walfangzahlen von 1890bis heute und verbindet es mit Nahrungsverfügbarkeit und Meeresphysik, um so die Veränderungen der Ozeanbedingungen, denen die Wale ausgesetzt sind, zu verstehen“, meint Dr. Plaganyi. „Die Vorhersagen der Zahlen von Walen auf der Südhalbkugel sind essentiell für das Management und den Schutz und unsere Forschungsresultate helfen, einige Unsicherheiten auszumerzen, die mit ihrer Erholung im Zusammenhang stehen.“

Glattwale heissen auf Englisch „Right whales“, weil sie die richtigen Wale für die Jagd waren: langsam, schwer und so fettriech, dass sie bei ihrem Tod nicht auf den Grund sanken. Ihre Zukunft sieht wieder rosiger aus, da ihre Zahlen von einst 300 auf beinahe 2‘700 Tiere wieder angestiegen sind. Bild: Michael Wenger
Glattwale heissen auf Englisch „Right whales“, weil sie die richtigen Wale für die Jagd waren: langsam, schwer und so fettriech, dass sie bei ihrem Tod nicht auf den Grund sanken. Ihre Zukunft sieht wieder rosiger aus, da ihre Zahlen von einst 300 auf beinahe 2‘700 Tiere wieder angestiegen sind. Bild: Michael Wenger

Quelle: Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation Australia